Der Grad an Beschleunigung droht die Langsamen abzuh?ngen
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"Ein Mensch braucht Zeit zum Verstehen", sagt der Schulleiter der Humboldtschule in Hannover, Henning Lawes, "heute lernen ja schon die Kindergartenkinder, dass sie sich auf den Arbeitsmarkt vorbereiten müssen."
W?hrend die Politik bislang mit ihren G8-Beschlüssen Schüler m?glichst schnell ins Berufsleben bringen wollte, scheint nun wieder ein gewisser Schlendrian akzeptiert zu werden - ohne Wehrpflicht werden Berufseinsteiger künftig ohnehin jünger sein.
So haben jene Schulen Zulauf, die abseits des klassischen Gymnasiums in neun Jahren zum Abitur führen: berufliche Gymnasien in Baden-Württemberg und Bayern, Oberschulen in Bremen, Gesamtschulen in Hessen.
Einziger Tagungsordnungspunkt bei der Sondersitzung in der Gemeindevertretung von Wentorf am vergangenen Mittwochabend: "Entscheidung zur Einführung der G8/G9-Bildungsg?nge ab dem Schuljahr 2011/2012". Das Thema sei ja "ziemlich emotional besetzt", sagt eine Kommunalpolitikerin am Rednerpult. Sie erntet Gel?chter für den Gemeinplatz.
In Wentorf muss das Gymnasium diese Woche nun zwangsweise einen weiteren G8-Jahrgang einschulen. Doch die Elterninitiative will den Gemeinderat mit einem Bürgerbegehren korrigieren, so wie im benachbarten Hamburg, .
Dass er aufschlie?en konnte, musste sich Alex hart erk?mpfen. "Leider gab es zu Beginn an unserer Schule keine Mensa, da war es schwierig, die langen Tage auszuhalten." Die Lehrer mussten oft improvisieren, denn es habe Probleme mit dem Lernmaterial gegeben: "In Religion kamen die Bücher erst an, als das Schuljahr schon fast zu Ende war." Wenn er um Viertel vor fünf aus der Schule kam, war der Bruder meist l?ngst fertig.
Weil die Lehrpl?ne nicht ausreichend entschlackt wurden, ballt sich gerade in der Mittelstufe der Stoff. Auf bis zu 36 Wochenstunden plus Hausaufgabenzeit kommen Zehntkl?ssler des ?fteren, mehr als eine Arbeitnehmerwoche. Zwar besserten Kultusminister zwischenzeitlich nach, doch setzten sie zugleich strengere Ma?st?be für die Oberstufe durch.
Inzwischen wird immer deutlicher, dass der Gro?versuch G8 ein Schnellschuss war. Nicht einmal ein Jahr lag in Bayern zwischen der Entscheidung der Landesregierung und dem ersten G8-Schuljahr. Anderswo ging es kaum besonnener zu. Für Diskussionen mit Eltern oder P?dagogen blieb da kaum Zeit.
Die halbe Rolle rückw,hermes taschen outlet?rts kommt ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem gro?e Bundesl?nder wie Niedersachsen und Bayern den Wechsel zu acht Jahren vollendet haben. Doch vielerorts gibt es Korrekturen:
Andere Familien verzichten durch Downsizing lieber erst einmal auf das Abitur für ihre Kinder. In Baden-Württemberg wird mancherorts über ein Drittel der Schüler mit Gymnasialempfehlung zun?chst auf die geschickt.
Und eine weitere Form des Widerstands gegen den Tempofetisch gewinnt an Popularit?t: die freiwillige Ehrenrunde. Diesen Weg hat Christian Eberling an der K?the-Kollwitz-Schule in Hannover gew?hlt. "Ich wollte meine Noten verbessern, und das hat bisher auch funktioniert", sagt der Gymnasiast. Insgesamt wiederholen 35 der 220 Schüler seines Doppeljahrgangs die elfte Klasse, deutlich mehr als vor G8-Zeiten.
Es geht um W?hlerstimmen. In Schleswig-Holstein wird im kommenden Jahr ein neuer Landtag gew?hlt, auch anderswo hat man Respekt vor den Wuteltern. Die Politiker haben aus dem Kampf um Stuttgart 21 gelernt: Protest gewinnt manchmal erst an Wucht, wenn etwas eigentlich schon entschieden ist.
Die anwesenden Familien aus der Elftausend-Seelen-Gemeinde im Hamburger Speckgürtel sind sauer auf ihre Volksvertreter. Denn was im übrigen Schleswig-Holstein seit kurzem m?glich ist, bleibt den Wentorfern vorerst verwehrt. Mit einer Stimme Mehrheit lehnte der Gemeinderat das Begehren ab, die Gymnasialzeit in Wentorf auf neun Jahre zu verl?ngern.
Denn immer mehr verk,gucci taschen?rpert die Kritik am verkürzten Gymnasium auch den Unmut am Gro?en und Ganzen. G8 ist inzwischen zum Symbol für überbordenden Leistungsdruck geworden,louis vuitton online shop, für Jugendwahn und einen Grad an Beschleunigung, der die Langsamen abzuh?ngen droht.
Kinder quengeln, Eltern reichen ihnen Trinkflaschen, es ist hei? und stickig in Raum 105. Der Sitzungsleiter erinnert daran, dass das Publikum kein Rederecht habe und doch bitte von Beifall und Buhrufen absehen m?ge,Louis Vuitton Taschen.
"Wir sind keine Anarchisten", sagt der Wentorfer Jens Gehring. Der 50-J?hrige ist Kaufmann und zweifacher Vater. "Wir sind besorgte Eltern."
Widerstand gegen den Tempofetisch
Im Kollektiv verabredeten befreundete Familien die Auszeit, berichten Elternvertreter. "Oftmals entsteht eine Gruppendynamik", sagt Pascal Zimmer, Vorsitzender des Landeselternrats Niedersachsen.
Der P?dagoge hat seinem Kultusministerium ein Modell für den Weg zurück zu G9 vorgelegt. Danach sollen zum Beispiel Physik, Gemeinschaftskunde oder die zweite Fremdsprache sp?ter einsetzen, und in der Mittelstufe soll die Stundenzahl sinken. Ein Konzept, das bald wieder Schule machen k?nnte.
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So hatten Eltern und Schulleiter es gewünscht, so hatte es das Ministerium in Kiel entschieden, so hatte es der CDU-Bürgermeister seiner Fraktion empfohlen. Doch die beschloss: Das verkürzte bleibt, basta. Es sei billiger und im ?brigen die bundesweite Norm.
Selbst gute Schüler sehen sich einem permanenten Stresstest ausgesetzt. "Bei uns bekommen bald 17-j?hrige Abiturienten ihr Reifezeugnis, ohne wirklich reif zu sein", sagt Klaus Nowotzin, Rektor eines Gymnasiums in Leonberg bei Stuttgart und Funktion?r des Philologenverbands. Es mache entwicklungspsychologisch einen Unterschied, ob er mit Schülern der Klasse 10 oder der Klasse 11 über Politik und Wirtschaft spreche, sagt Nowotzin: "Den Jüngeren kann ich das nur beibringen, mit den ?lteren kann ich diskutieren." Auch seine Kollegen aus der Mathematik bem?ngelten, dass viele Stoffe nun zu früh drank?men.
36 Wochenstunden plus Hausaufgabenzeit für Zehntkl?ssler
?ber hundert Zuschauer dr?ngen sich im Saal und auf den G?ngen des Rathauses, dem Dauerregen und dem L?nderspiel Deutschland gegen Brasilien zum Trotz. Sie halten wei?e Bl?tter mit Parolen hoch. "Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der zu w?hlen, die ihren Kindern zuteil werden soll", ist dort etwa zu lesen. Der Satz stammt aus der Uno-Menschenrechtserkl?rung.
Von der Tempoversch?rfung war auch die Familie Lein aus Gersthofen bei Augsburg betroffen. Die beiden S?hne Florian, 19, und Alex, 18, haben gerade am ?rtlichen Paul-Klee-Gymnasium ihr Abitur abgelegt, der eine in neun, der andere in acht Jahren.
Vielerorts gründen sich Initiativen wie in Wentorf, wo acht Mütter und V?ter ihre Sommerferien opferten und mit einer Unterschriftenaktion 20 Prozent der Wahlberechtigten mobilisierten. Laut einer Allensbach-Umfrage halten in Westdeutschland nur sieben Prozent der Befragten das verkürzte Gymnasium für gelungen.
Doch die ?ndert sich gerade. Quer durch die Republik wird die umstrittene Reform zerpflückt, statt ist nun wieder die Entdeckung der Langsamkeit die Parole der Stunde,louis vuitton online kaufen.







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